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Kolumne: Von Matchmaking, Kopierschutz und DLC...
Date: 01.04.2010
Author: --[M@D]--un1qu3
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Computerspiele wurden 2008 in Deutschland neben Literatur, Film, Architektur etc. in den Stand des Kulturgutes erhoben. Modern Warfare 2 erreichte als erstes Spiel einen Umsatz von über 1 Milliarde Dollar (bei Produktions- und Marketingskostens von ca. 200 Millionen Dollar); damit spielt es mit dem wohl erfolgreichsten Film aller Zeiten, Avatar in einer Liga. Grund genug sich über Distributionsweisen, den PC als Medium und mögliche Entwicklungen Gedanken zu machen.

Multiplattformtitel

Fast jede größere Neuerscheinung der letzten Jahre wurde als Multiplattformtitel entwickelt. Dies ist klar eine wirtschaftliche Entscheidung. Warum für z.B. ausschließlich den PC entwickeln, um den riesigen Konsolenmarkt als Absatzmöglichkeit zu verlieren bzw. erst verspätet eine Konvertierung zu entwickeln, die bei Erscheinen bereits out-of-date ist. Dass dabei die Konsolen als Plattform Priorität haben bzw. als Entwicklungsgrundlage dienen, ist ebenfalls nachvollziehbar: Vom oben erwähnten Rekordumsatz von MW2 fiel nur ein Bruchteil (ca. 10%) auf die PC-Version; desweiteren sind Themen wie Cheating oder Raubkopien nach wie vor überwiegend PC-Probleme. Diese nachvollziehbare, wirtschaftliche Überlegung hat diverse Implikationen für das Endprodukt. Allen voran natürlich die graphische Ausgestaltung. Viele Multiplattformtitel nutzen das Leistungspotenzial des PC nur bedingt, da sie ja im Grunde für 5 Jahre alte Konsolenhardware konzipiert wurden. Neue Technologien wie damals DX 10 und aktuell DX 11 bleiben bis zum nächsten Konsolen-Launch graphische Dreingaben - nicht tragende Grafiktechnologie.




Ohne Matchmaking kein DLC

Doch damit nicht genug. Das von PC-Usern (zurecht!) kritisierte Matchmaking bei MW2 ist auf Konsolen seit Jahren Realität - es gab dort nie echte dedizierte Server. Das stößt der eSport-Gemeinde auf dem PC natürlich sauer auf, da man bitte doch eigene Server verwalten und konfigurieren möchte, weil man latenzfrei mit eigenen Einstellungen Wars organisieren möchte oder eben einen customized public server anbieten möchte - und das alles auf eigene (Clan-)Kosten. Doch Fakt ist, dass der PC zwar Serien wie Call of Duty erst möglich machte und der eSport viele Titel (siehe CS:S) über Jahre am Leben hält. Dies ist zwar schön, jedoch sieht der Entwickler dafür keinen Cent. Im Falle von COD5:WW, das auch dem PC noch dedizierte Server bot, wurde neuer DLC für den PC gratis nachgereicht - wie hätten sonst DLC-Käufer und Nichtkäufer auf einem Publicserver mit Maprotation miteinander gespielt? Konsolenspieler durften für den DLC löhnen und das nicht zu knapp. Mussten sie aber nicht - wer keinen DLC gekauft hatte, wurde per Matchmaking einfach einem Spiel mit den Standardmaps zugeteilt. Dass man nun auch DLC auf der Plattform PC vertreiben und daran verdienen will, ist eine logische Schlussfolgerung. Dass darunter der eSport leidet, tangiert periphär - zum einen ist das nur ein Bruchteil der Käuferschaft, zum anderen scheint die Entwicklung immer mehr in Richtung Franchise zu gehen. Drastisch gesagt: Was interessiert es den Konzern, ob sein Spiel in 4 Jahren noch gespielt wird, wenn jedes Jahr ein neues Spiel verkauft werden kann?

Matchmaking, DLC und Kopierschutz - was tun?

Doch sogar Singleplayer-Games, wie in jüngster Vergangenheit Assassin`s Creed 2, sind auf dem PC nicht von Einschränkungen gefeit. Das Programm erzwingt eine permanente Online-Verbindung zum Ubisoft-Server. Bricht diese ab, schmiert das Spiel ab. Ein Offline-Spiel ist nicht möglich. Und Serverausfälle sind scheinbar keine Seltenheit. Der Playstationbesitzer lacht da - der Titel sieht optisch fast identisch aus und läuft ohne nervigen Onlinezwang. Zuletzt klappt die (weil auf dem PC schlecht konvertierte) Steuerung auf der Konsole besser. Viele PC-Zocker nennen mittlerweile auch eine Konsole ihr Eigen. Doch dass man die PC-Version boykottiert und sich bewusst für den Konsolentitel entscheidet, kommt beim Entwickler nicht als Boykott der PC-Version an, um auf die schlechten Qualität des PC-Produkts hinzuweisen. Vielmehr ist dies eine Bestätigung, den PC als Spieleplattform immer mehr zu vernachlässigen und künftige Titel nur noch für Konsolen zu entwickeln bzw. PC-Konvertierungen schlampig zu machen oder mit so vielen "Zusatzfeatures" zu versehen, um dem Spieler gleich den Spaß zu verderben.




Schlechte Aussichten?

... ja, durchaus, möchte man sagen. Zumal Ego-Shooter auf Grund der nachwievor hakeligen Gamepadsteuerung und grafischen Brillianz jahrelang als PC-Domäne galten - in einem Atemzug mit Strategietiteln. Wie bisher erörtert hat sich da das Blatt mittlerweile gewendet. Fakt ist nunmal, dass die Konsole für die meisten Entwickler aus finanzieller Sicht die attrakivere Plattform ist. Natürlich gibt es noch Entwickler, die zumindest den Anschein erwecken, den PC als Plattform zu respektieren und schätzen und gute (teils konvertierte) Titel abliefern - Bioware oder Blizzard zum Beispiel und nicht zuletzt Valve (CS, TF, L4D...). Damit sollte man sich lieber über die guten Ausnahmen freuen und die Hoffnung nicht aufgeben, dass irgendwann die jetzigen Stolpersteine Matchmaking, Kontenbindung, Onlinezwang tadellos mit den Programmen synergieren, dass aus den jetzigen Steinen des Anstoßes wirkliche Features bzw. Verbesserungen resultieren. Man denke nur an Steam - damals als Untergang des Abendlandes prophezeit, mittlerweile ist es zur Realität geworden und ich denke, viele möchten alleine schon wegen der vielen Funktionen wie Friends oder dem unkomplizierten Spielekauf nicht mehr darauf verzichten.



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comments:

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#2 by --[M@D]--un1qu3 Clanmember 02.04.2010 - 18:06
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Last things first: Genau auf das Kaufverhalten wollte ich mit dem Assassin`s Creed Beispiel hinaus. Da gehe ich vollkommen d`accord. Im Falle AvP fand ich zB interessant, dass es trotz durchwegs mittelmäßiger Kritik viele Käufer gefunden hat - das lag mit Sicherheit auch an der interessanten Andersartigkeit... und natürlich an der "negativen" PR bzgl. der exzessiven Gewaltdarstellung. Sieht man mal wieder, dass auch schlechte PR PR ist ^^

@Steam: Klar, jede Medaille hat eine Kehrseite... doch im Falle Steam, und damit spreche ich glaube ich für einige, ist einfach mittlerweile die Akzeptanz so hoch und die Einschränkungen relativ gering oder tolerabel, dass sich die Leute an den Steamzwängen nicht mehr stören. Die Entwicklung aufzuhalten, ist leider schon zu spät. Und klar, ich glaube jeder teilt die Bedenken, was mit den Spielen passiert, wenn Steam von heute auf morgen verschwinden würden. Aber so ist nun mal der Status Quo.

@Blizzard: Mein Punkt war da eher: Pro-PC, weil Blizzard qualitativ hochwertige Produklte primär für den PC als Plattform liefert. Auch hier natürlich wieder nicht alles Gold, was glänzt... klar (kein LAN, bnet Zwang etc.).

Insgesamt wollte ich nur meiner Meinung kundtun und Diskussionsstoff liefern - dafür eignet sich eine Kolumne ja recht gut. Dass man nicht jedes Pro und Con beleuchten kann ergibt sich aus dem Format sowie dem Ziel, seinen Argumentationsgang flüssig darzustellen.

Dennoch schön, dass jemandem der Artikel aufgefallen ist, den Aufwand schätzt und sich bei der Antwort / Kommentar ähnlich reinhängt ^^

#1 by --[M@D]--Chewie Clanmember 01.04.2010 - 20:41
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Da hat sich einer aber Mühe gemacht, Respekt erst mal dafür. Dennoch, wie sollte es bei mir auch anders sein, hab ich ein paar Kritikpunkte anzumerken:

Vorallem fällt mir hier dein eindimensionales Fazit bezüglich den Entwicklern und v.a. Steam auf. Ja, Steam hat viele Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Allerdings gibt es auch graviernde Nachteile, die man entweder übersieht, oder die einem noch nicht bewusst sind. Das Steam ein Daten-sammelndes Softwareprodukt ist, sollte jedem klar sein, auch, dass er ohne weiteres von seinem rechtmäßig Erworbenen beraubt werden kann. Stell dir vor dein Account wird "versehentlich" mal gelöscht, welchen Gegenwert würde ein jeder hier verlieren ? Was wenn es in 10 Jahren kein Steam mehr gibt ? Auch heute kann ich noch mein SNES an den TV stecken und loszocken... bei Steam gibt das unter Umständen massive Probleme in naher Zukunft. Ich will hier Steam nicht schlecht reden, aber ein etwas kritischerer Umgang damit würde nicht schaden ...

Als zweiten Punkt muss ich natürlich die von dir genannten Studios etwas kritisch begutachten. Beispiel Blizzard: Willst du ernsthaft behaupten Blizzard schätzt und respektiert den PC, in dem sie voraussichtlich den Lan Modus für alle Spiele streichen ? Ich finde dies hat nichts mir Respekt zu tun. Das klare Motiv ist hier einfach Cash ... $$$ ... bling bling ... usw zwinkern Ähnlich mit Valve: L4D2 ist durchaus ein gutes Spiel, aber L4D1 haben sich viele Spieler mit Sicherheit anders vorgestellt im Sinne auf nachhaltige Förderung, wie sie z.b. in TF geboten wurde.
Die Sache ist einfach die, dass Entwickler heute sich an die Businesspläne des Managment halten müssen. Waren früher noch einzigartige Spielideen einzelner Leute möglich, ist das heute aus 3 Hauptgründen nicht mehr möglich: 1. Komplexität der Spiele (Grafikengine, KI, Sound, MP, etc... ) 2. Kommerzialisierung der Spieleindustrie 3. Idiotisches Kaufverhalten der Spieler selbst ( Wer kauft sich lieber Need for Speed xxxxx anstatt sein Geld in ein Indiespiel zu stecken oder in ein Game wie z.b. Metro 2033 ?) Kreativität wird schon von uns Käufern entscheidend unterdrückt: zwar ist das Geheule bei Fortsetzungen immer Groß, gekauft werden diese dennoch lieber wie ein kreativer, jedoch unbekannter Titel...

Ich denke jeder Spieler hat die Zukunft ein bisschen selber in der Hand. Wer hier nur mit dem Strom schwimmt und schlechte Änderungen unter dem Vorwand "das kauft sonst auch jeder, dann macht es mein Spiel auch nicht mehr aus" ignoriert, schadet in meinen Augen der Zukunft. Letzendlich haben wir Käufer die Macht zu entscheiden, in welche Richtung das Ganze gehen wird. Wir müssen uns dessen nur bewusst werden und entsprechend handeln.

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